Infernalis

Ein Kampf zwischen zwei Personen, die Feuer beherrschen und die Misere, welche die Dauer dieser Auseinandersetzung hinauszieht und deren Ende größere Probleme birgt als man anfangs meint.

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Kaum machten wir die Tür auf wurden wir auch schon angegriffen. Zuerst konnte ich unter dem Lärm von Beschimpfungen und Beschuldigen nichts ausmachen. Zudem war Ines die Taschenlampe runtergefallen, welche von unten verzerrte, sich bewegende, Schatten an die Decke projizierte. Ich konnte meine Augen erst von diesem Gewirr aus verschwommenen kämpfenden Schemen losreißen, als ein fülliger Mann auf mich zu stürmte. Aus irgendeinem Grund blieb ich wie angewurzelt stehen und zückte nicht mein Feuerzeug oder schnippte ein Zündholz an meine Hose mit aufgenähter Haifischhaut. Ich sah nur wie er mit der rechten, zur Faust geballten Hand ausholte und mir gleich den Unterkiefer brechen würde. Wenn nicht schlimmeres. Sein verzerrtes Gesicht mit den lodernden Augen jagte mir einen Schauer über den Rücken.
Ich sah meine Zähne schon in hohem Boden durch die Luft wirbeln, da gingen die Fäuste in Flammen auf. Das war mein Weckruf! Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund lieferte mir das Schicksal einen Ausweg in Form meines Elementes. Ich bückte mich in aller letzter Sekunde weg, spürte die Hitze auf meinem Gesicht. Um ein Haar hätte es mich verbrannt. Torkelnd fand ich wieder in einen festen Stand und erwartete den nächsten Hieb. Diesmal würde ich nicht nur warten. Mit einem Griff hatte ich das Feuer in meiner Hand und wirbelte um ihn herum, darauf achtend es nicht zu löschen.
Seine feurigen Boxhandschuhe prügelten auf mich ein, diejenigen, die mir zu nahe kamen löschte ich. Das Feuer in seinen Augen flackerte. Mit einem Mal zog ich eine Wand hoch, er stockte, dann brach er hindurch, zu meiner Verwunderung ohne selbst anzukokeln. Das machte mich neugierig. Somit hüllte ich ihn ganz in Flammen bis er selbst Feuer fing. Auf seine Schreie wartete ich vergebens, auch schlug er nicht um sich. Etwas das bisher jeder getan hat. Ruhig stand er da, in Flammen, durch den Odem des Feuers hörte man ein Mantra. Ich bin die Fackel, die brennt. Immer wieder. Ohne mich weiter darum zu kümmern das Inferno aufrecht zu erhalten sah ich wie sie abnahmen, verschwanden. Ein grimmiges Lächeln und in Schweiß gebadet standen wir uns Gegenüber. In der rechten Hand hielt ich immer noch die wohlige Kugel, er dagegen hatte nichts. Meine Chance hier als Gewinner raus zu gehen. Ich ließ eine Salve auf ihn nieder, von denen er nicht einer auswich. Er schloss auf, kam immer näher kurz. Zwei Schritt von mir entfernt entzündeten sich seine Hände, zu meinem Erschrecken nicht mit dem Feuer der Salven. Erneut hieb er auf mich ein.
Das Spiel von ausweichen, wegducken, Feuer löschen, entzünden und zurück schlagen ging einige Zeit. Wir hatten uns von den anderen entfernt oder sie von uns. Das kann man ihnen auch kaum vorwerfen, schließlich ist es ein primitiver Instinkt vor Leuten wie uns und vor allem dem Feuer zurück zu schrecken. Kein Wunder, dass sich somit auch kein anderer in unseren Kampf einmischte. Mich oder ihn von hinten mit einem Stromschlag außer Gefecht setzte. Langsam schwand auch meine Konzentration dahin. Ich hoffte, dass er nicht bemerkte, wie die ansonsten feste Kugel in meinen Händen anfing zu wabern und an Definition verlor. Dass seine Kondition auch abnahm, sah ich hingegen deutlich. Seine Kleidung war durchnässt und hing mehr an ihm herunter, als es bei seiner Körperfülle hätte möglich sein sollen. Er wirkte tatsächlich dünner, als in dem Moment, in dem er mich angriff. Zwischen dem Strömen des Feuers hörte man wie schwer ihm der Atem ging. Oder war ich das, schließlich pumpte ich selbst schlimmer als ich es mir eingestehen wollte.
Der Schauplatz unseres Kampfes würde auch nicht besser werden, der Geruch nach Grillfest, den ich normalerweise trug wie andere ihr Aftershave, naja so rasierte ich mich nun mal, erfüllte die Tunnel, in denen wir Zuflucht gesucht hatten. Aus Erfahrung ließ sich sagen, dass mein Gegner und ich vielleicht an das tödliche und geruchlose Gas gewöhnt waren, aber nicht gefeit. Den anderen ginge bald die Luft aus. Das musste schnell zu Ende gehen, bevor wir hier nicht schnell genug wegkamen. Mein Gegenüber schien sich dieser schleichenden Gefahr, welcher wir Verantwortung trugen, nicht bewusst.
Ich schrie ihm zu er solle aufgeben. Meine Stimme kratzig vom Rauch. Er antwortete nicht und machte Anstalten auf ein Neues mit glühenden Fäusten anzugreifen. Es blieb mir keine Wahl. Ich musste das Feuer löschen. Alle. Das letzte, an das ich mich erinnere bevor ich aufwachte war, wie ich tief Luft holte und all das Feuer von ihm wegzog. Alles was sein Feuer bestehen ließ nahm ich ihm. Riss es ihm schlussendlich aus den Lungen. Er brach zusammen und der Blick wanderte hinab, bis ich selbst zu Boden fiel.
Ich bin froh. Ihr seid am Leben. Mehr wollte ich nie.