Reach Out - die anonymen Pechvögel

Wie sieht eine Welt der Superkräfte aus, wenn es auch dort die Pechvögel gibt? Genauso, wie in unserer. Die Betroffenen finden sich in einer Selbsthilfegruppe zusammen und tauschen sich aus.

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„Hallo? Schon wer da?“ Knarzend öffnete sich die Tür langsam weiter. Licht schnitt durch den Schatten auf dem Flurboden. „Ja! Klar, komm rein. Muss ich auf was achten?“, kam hinter der Tür die Antwort hervor. Erleichtert wurde die Tür kraftvoll aufgeschwungen. „Nein. Naja, wenn du ein Telefon hast oder sonstige Technologie, so könntest du sie ausschalten.“ „Ah, du bist es Patricia! Schön, dass du wieder Zeit gefunden hast. Letzte Woche haben wir ja einen großartigen Fortschritt gemacht, oder?“ Die etwas füllige Dame fingerte noch kurz an ihrem Smartphone herum und bedeute der, immer noch im Türrahmen stehenden, Mitdreißigerin aufmunternd näher zu treten. Mit einem erleichterten Lächeln trat sie näher und stützte sich entspannt auf der Rückenlehne eines Plastikstuhls ab. „Ich denke da hast du recht Betty. Nachdem ich meinen Stress bei euch abgeladen habe, konnte ich ohne zu verkrampfen an einem Computer vorbeilaufen. Er hat nicht mal geflackert!“ „Wow! Wie nah bist du vorbeigelaufen?“ Sie packte sich beherzt einen, in der hinteren Ecke aufgestapelten, Stuhl und trug ihn zu den anderen. „Unter einer Armlänge!“ Mit diesen Worten ergriff sie den Stuhl, auf dem sie sich abstützte und drehte ihn. Beschwingt ging sie nun selbst in die Raumecke und zog sich eine der Sitzgelegenheiten heraus.

Es klopfte. In der Tür stand ein circa 22-Jähriger junger Mann im Jackett. Zeige- und Mittelfinger noch auf Schulterhöhe zum Klopfen erhoben. Unter einem einnehmenden Lächeln fragte er: „Wie geht´s wie steht´s? Hat eine von euch das Schild oben runtergefegt?“ „Wen haben wir denn da?“, kam es von Patricia. „Eindeutig jemanden, den wir hier lange nicht mehr gesehen haben.“, beantwortete Betty schelmisch und ergänzte: „Was ist denn mit dem Schild?“ „Es hängt nicht oben an der Tür. Hätte ich das Licht nicht gesehen, wäre ich wohl vorbeigelaufen.“ Erkenntnis flitzte über das freundliche Gesicht der Organisatorin. „Upps!“ Mit einigen schnellen Schritten ging sie zu einem Tisch neben der Tür, auf der sich neben einigen Getränkeflaschen und Snacks eine wuchtige Handtasche befand. Unter dieser lugte eine Ecke weiß hervor. Mit einem Ruck zog sie das Schild unter ihrer Tasche hervor und hielt es dem Neuankömmling mit zuckersüßem Lächeln unter die Nase. „Du bist doch so freundlich und hängst es noch geschwind auf. Nicht wahr Tony?“ „Nur weil du es bist meine Liebe.“ Er nahm den bedruckten Zettel entgegen, nickte, drehte sich auf der Stelle und ging in den Gang davon. Einzig seine energetischen Schritte auf der Treppe waren noch zu vernehmen. „So schön schneidig unser lieber Tony.“ „Schon wahr. Du hast aber schon einen Narren an ihm gefressen liebe Betty.“ „Ich könnte seine Mutter sein!“, echauffierte sich die Angesprochene.

„Tony!“, donnerte es durch die leeren Gänge. Gefolgt von undeutlichen Worten und dem Scheppern der Eingangstür. Schwere Schritte kamen daraufhin auf den hell erleuchteten Gang zu. „Seht mal wen ich am Eingang gefunden habe.“ Tony trat durch den Türrahmen, einen Arm über seiner Schulter, welcher zu einem Mann mittleren Alters mit schwarzen Haaren, kantigem Gesicht und karamellfarbenen Hautton gehörte. „Das ist Tarik, vielleicht erkennst du ihn nicht mehr, schließlich hat der Gute einiges an Gewicht verloren, seitdem du uns das letzte Mal beehrt hast.“ Tarik sah Tony nun erwartungsvoll an, welcher gespielt gequält dreinschaute und sich dann nervös an der Stirn kratzte. „Erstens: Tarik du siehst super aus. Ein junger Gott. Zweitens, ja ich war einige Zeit weg, doch würde den Grund gerne nachher in der Gruppe davon erzählen.“ „Ich sagte doch der hat uns noch was zu erzählen. Sagte ich das nicht? Patrica?“, grinste Tarik. Diese zog sich mit einem zustimmenden Nicken aus der Affäre. „Dann warten wir bis alle da sind. Acht Stühle sollten reichen.“ Bettys drehte ruckartig Arm um die Sicht auf ihre Uhr freizugeben. „Fünf Minuten noch. Greift noch schnell zu.“ Sie deutete auf die auf dem Tisch bereitgestellte Verpflegung.

„Packt die Rauschmittel weg! Schlaftabletten, Alkohol und Kokain. Nichts von dem will ich gleich messen können!“, schallte eine angespannte Frauenstimme durch das ansonsten verlassene Gebäude. „Patricia ist hier!“, rief Betty mit leicht übersteuerter Stimme in die Dunkelheit zurück. Die übrigen sahen sich aufgrund der Rücksichtslosigkeit ihrer Gastgeberin kurz an, Patricia ließ den Kopf kurz fallen und begab sich in eine der nicht zugestellten Ecken des Raumes. „Danke für den Hinweis!“, kam die Erwiderung geschwind. Schon stand eine Mitvierzigerin in der Tür und stellte einen Koffer mit Elektronik am Eingang ab. In einer eleganten Bewegung zog sie einen Stoß dünner Teststreifen. Zuvorkommend streckte Tarik ihr die Hände entgegen, von denen auch geschwind abstriche genommen wurden. Als die Dame an ihm vorbei zu den anderen Ging, wischte sie ihm auch noch über die Stirn. Nachdem die Prozedur für alle Anwesenden herum war, ging sie auf die am Boden stehenden Gerätschaften zu und steckte einen Teststreifen nach dem anderen hinein. Jeder einzelne wurde mit einem Piepen aufgenommen und wieder aus dem Gerät entlassen. Bei jedem leuchtete das Display grün auf. Ihre Anspannung löste sich und sie legte den Schalter auf der Geräterückseite um. „Nicht das diese teuren Gerätschaften noch kaputt gehen.“ Sie warf einen Blick auf Patricia. „Keine Sorge Celia, diese Woche lief super. Wie liefs bei dir? Wieder Federn geschmeckt?“, kam es leicht schnippisch zurück. Immer noch am Koffer kniend, starrte sie kurz vor sich hin, stand dann jedoch auf und ging zum Fuß der Treppe. „Schatz, du kannst kommen! Alles sauber hier!“ Während eine Person ungelenk die Treppe herunter kam, sprach die Männerstimme. „Danke dir, hättest du die Güte noch schnell Lawrence zu testen? Er wartet oben vor der Tür.“ „Selbstverständlich.“ Das schnelle klacken von Absätzen war zu hören und schon stand Celia wieder in der Tür, schaltete alles wieder ein und schulterte den Koffern. Erneut waren ihre Absätze auf dem Betonboden zu hören, diesmal jedoch ungleichmäßig durch das Gewicht auf ihrer rechten Schulter. Anstatt ihrer erschien dann ein Mann Anfang fünfzig im Lichtkegel hinter der Tür. Er tippte sich gegen die Atemmaske, die er trug und sprach gedämpft zu den Anwesenden: „Keine gute Woche. Beim Bezahlen hat Dollarnote eine Dollarnote die Haut hinter dem Handschuh berührt. Innerhalb einer halben Stunde hat mein Körper die Wirkung des Restkokains an dem Schein so verstärkt, dass ich auf dem Gehweg zusammengebrochen bin.“ Die Müdigkeit und Erschöpfung waren seinen Augen deutlich anzusehen. Ein kollektives ´Scheiße´ raunte durch den kleinen rechteckigen Raum.

Als Celia zusammen mit Lawrence zurückkehrte, winkte der zerknautschte 70-Jährige in die Runde und sie setzten sich auf die im Kreis aufgestellten Stühle. „Was für eine Woche.“, seufzte Lawrence während seine alternden Knochen es ihm schwer machten platz zu nehmen. „Wenn du schon so anfängst, willst du nicht die heutige Runde einleiten?“ „Ach, warum nicht.“ Er nahm einen tiefen Atemzug und begann langsam zu sprechen. „Ihr kennt das vielleicht noch nicht, doch kommt es in meinem Alter häufiger vor einfach so einzuschlafen. Dabei ist es egal, ob im Bus, Lokal oder nach einem längeren Spaziergang auf einer Parkbank.“ Er ließ eine kurze Pause, bevor er weiter sprach. „Um die Sache abzukürzen. Ich bin die Woche drei Mal im Leichenschauhaus aufgewacht. Drei. Mal.“ Celia und Betty grinsten, was ihnen Lawrence mit einem strengen Blick vergalt. „Das ist bei weitem nicht so lustig, wie es sich anhört. Es ist ja nicht so, dass sie einem die komplette Kleidung ausziehen und dann auf eine Bare legen, welche sie dann in einen Kühlschrank schieben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir da die Blase verkühlt habe.“ Diese Äußerung brachte Benjamin dazu sich der Gesichtsmaske zu versichern und ein Stück vom Redner weg zu weichen. „Die einzig gute Sache dabei ist, dass es nicht sonderlich auffällt, wenn mal wieder einer von der Bare steigt, da die dort einen Nekromanten beschäftigen. Mittlerweile finde ich sogar meine Sachen wieder. Ich muss zwar einen verschweißten Beweismittelbeutel aufreißen, welcher auf der anderen Seite des Flurs liegt, doch da mache ich halt mal kurz den Flitzer.“ „Das da mal eine der Angestellten nicht einen Herzkasper bekommt.“, bemerkte Tony mit einem schiefen Grinsen. „Jaja. Jedenfalls macht es mir doch mehr Probleme als ich eingestehen möchte. Vor vier Tagen habe ich vergessen den Zettel, den man einem an den Fuß hängt, abzumachen. Linda hat das gar nicht gefallen, als ich dann wieder zuhause in meinem warmen Bett lag.“ Nach einer etwas längeren Pause sprach er weiter. „Es schmerzt mich zu wissen, dass ich irgendwann neben ihr liegen werde. Ohne Puls und Atmung. Doch dann werde ich nicht wie bisher aufwachen und mit ihr in der Küche frühstücken können. Vielleicht wird sie es sogar nicht einmal merken und denken, dass ich einfach mehr Schlaf brauche.“ Betretenes Schweigen erfasste den, von künstlichem Licht erhellten, Raum. Räuspern. Es kam von Patricia, sie setzte sich neu hin und begann: „Dazu kann ich dir nichts sagen. Mich und vielleicht die anderen auch, würden gerne wissen, wo du eingeschlafen bist. Möglicherweise gibt es da eine Verbindung.“ „Das kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Einmal ist meine letzte Erinnerung das innere der Linie 17, das andere Mal bin ich wohl im Schwimmbad gewesen, wo ich dienstags meine Bahnen ziehe und das dritte Mal diese Woche? Davon habe ich keine Eindrücke mehr.“ Die Anwesenden sehen sich an, legen die Stirn in Falte und schütteln dann schwach ihren Kopf. Lawrence Schultern sacken leicht ab. „Vielleicht ist es auch nur das Alter. Sollte ich hier nachher zusammenbrechen, kann mich dann einer nach Hause bringen und mich im Garten auf einer Liege ablegen?“ „Klar. Immer doch“, meldete sich Tarik freiwillig.

Von hinter der angelehnten Tür kamen Geräusche. „Ah, das wird wohl der Neue sein! Bitte seid freundlich und drängt euch ihm nicht auf, er ist noch sehr jung.“, beschwor Betty die Runde. Dynamische Schritte kamen vor der Tür zum Stehen, welche dann vorsichtig aufgeschoben wurde. „Komm ruhig rein Oliver. Wir beißen nicht.“ Sie winkte ihn näher und zeigte dann auf den noch freien Stuhl neben ihr und Tarik. Als sich der Jugendliche mit Sneaker und dunkelgrünem Hoodie dort niedergelassen hatte, blickten ihn neugierige Augen entgegen. „Würdest du dich kurz vorstellen? Name reicht, Fähigkeit musst du nicht sagen, wenn es dir unangenehm ist.“, ermutigte ihn die Leiterin der Runde. Zögernd begann er: „Ähm, hallo. Ich heiße Oliver und hab eine beschissene Gabe.“ Er sah sich kurz nervös und abwartend um und sprach dann vorsichtig weiter. „Ich nenne es Timbertalking. Klingt lächerlich, doch immer, wenn ich rede, bewegt sich Holz.“ Der Tisch knarzte. „Danke Oliver. Willst du gleich von deinen Schwierigkeiten erzählen oder möchtest du erst einmal jemand anderen hören? Den alten Lawrence hast du eben verpasst.“ „Jemand and´ren“ Der Tisch knarzte lauter, die Wasserflasche schwankte leicht. Oliver guckte verlegen zu Boden. „Gut, dann ist jetzt unser verlorener Sohn an der Reihe. Also los Tony, sag uns was du die ganze Zeit getrieben hast.“ Der Angesprochene holte tief Luft. Er verharrte kurz bis er sich sicher war, wie er beginnen wollte. „Vielleicht wisst ihr noch, dass ich mal erwähnt habe, dass ich als Finanzberater für Firmen arbeite. Ich denke ich hatte es mal erwähnt als ich mich über den Kollegen ausgelassen habe, der die Gedanken der Kunden ließt und ihnen das Blaue vom Himmel verspricht. Jedenfalls hat mein Boss einen Großkunden aufgetrieben, der gut zahlt. Ich war der Angestellte, dem er es am meisten zutraute, so durfte ich den Kunden betreuen.“ Die Runde klatschte. Tony nickte stolz. „Bloß hätte ich darauf verzichten können, denn der Kunde ist nicht hier, sondern zwei Stunden Flug entfernt.“ Es war bei einigen ´Oh´ unter dem Atem zu vernehmen. Der Redner schnalzte. „Eben.“ Oliver setzte sich neu hin und lehnte nun auf den Oberschenkeln. „Häh?“ „Stimmt, tut mir leid. Ähm, wie erklär ich es am schnellsten? Je gestresster ich bin desto stärker bin ich mit dem Boden verbunden, verringere die Distanz. Stell dir vor ich geh über die Straße, ein LKW übersieht mich, hält voll auf mich zu, mein Adrenalin schießt ein, doch der Fluchtreflex wird verhindert, da ich mich nicht von der Stelle bewegen kann, egal wie sehr ich es versuche.“ Die grüne Kapuze nickt. „Das Ding ist, dass ich nicht auf dem Boden stehen muss, wenn das passiert. Egal ob zu Fuß, im Auto oder Flugzeug, ich werde immer zu Boden gezogen. Die Schwerkraft wird stärker.“ „Oh, jetzt versteh i…“ Es knarzte wieder. Tony sah in die Runde und fuhr fort. „Jedenfalls hieß es dann vom Chef: Du machst das oder du bist gefeuert!“, letzteres sprach er in tieferer autoritärer Stimme. „Also bin ich geflogen. Das erste Mal in meinem Leben.“ „Wie hast du das gemacht? Ich als normaler Mensch bekomme schon Adrenalinschübe im Flieger.“, fragte Celia. „Normal? Wie machst du das bei Start und Landung, siehst du da keine Vögel?“, wollte Patricia dann wissen. „Es geht. Ich trage dann immer eine Schlafmaske.“, antwortete sie mit leicht aufgesetztem Lächeln. Tony verdrehte kaum bemerkbar die Augen, was Betty schmunzeln ließ und widmete sich dann wieder seiner Geschichte. „Ich weiß was du meinst. Sagen wir es so, ich hatte genug Schlafmittel genommen, von dem dein Mann hundertmal hätte sterben können.“ Ein sarkastisches ´Danke´ kam hinter Bens Maske hervor. „Was den Piloten dann überrascht haben wird, war die kurze Bremsstrecke bei der Landung. Denn genau da ließ die Wirkung nach. Das Flugzeug kam einiges vor der eigentlichen Parkposition zum Stehen.“ „Was wäre denn passiert, wenn die Wirkung eher nachgelassen hätte?“ Eine Flasche fiel um, es wurde vom Fragensteller ignoriert. „Dann hätten die Nachrichten etwas darüber berichtet, denn es wäre aus dem Himmel gefallen, wie ein Stein.“ „Ist das nicht Rücksichtslos?“ Eine Ecke des Tisches war nun nach oben gezwirbelt. „Ja. Ich hatte mich sogar um eine Zugreise bemüht, doch mein Chef hat mir keine Wahl gelassen und mir quasi befohlen meine Flugangst, das dachte er, zu vergessen.“ „Wie lief denn die Arbeit mit dem Kunden?“, wollte Betty wissen. „Ausgezeichnet. Wir haben die Bücher geprüft und neue Investionsoptionen untersucht.“ „Den Rückflug hast du auch so unter Drogen mitbekommen?“, fragte Lawrence und bekam gleich die Antwort: „Nein, auf dem Rückweg war es mir Gott sei Dank gestattet den Tag im Zug zu verbringen. Das war übrigens gestern.“ Zufrieden blickte er nun in die Runde und wartete, das ein anderer das Wort ergriff. „Mrs. Livingston? Könnten sie Tobias das hier geben, das schulde ich ihm noch.“ Nicht nur fiel ein Glas auf den Boden, sondern wurde das Kleingeld auf Olivers Hand, welche er Betty hinstreckte, quer durch den Raum beschleunigt und verfehlte Celia nur um wenige Zentimeter. Auf Bettys Gesicht stand entsetzen und die anderen atmeten schwer, wobei der Stuhl unter Tony zusammenbrach und das Handy in Olivers Tasche komische Geräusche von sich gab. Nach einer Schrecksekunde riss Oliver seine Hand wieder an sich. „W…W…Was?“ Mehr bekam er nicht heraus, da nun weitere Gläser zu Boden fielen. „Alles in Ordnung.“, sagte Betty bemüht beruhigend. Die Anwesenden fingen an Atemübungen zu machen. Allen voran Patricia und Tarik, wobei der große Mann öfters kleinere Zuckungen hatte und Ekel sein Gesicht zeichnete.

„Alles gut. Ganz ruhig.“ Verwirrt von der Situation blickte Oliver hilfesuchend die anderen an. Celia hatte sich als erste wieder gefangen. „Was Betty angeht, niemals und ich meine niemals, ihr Kleingeld oder andere kleine Metallgegenstände entgegenstrecken. Diese Dinge werden dann zu Geschossen einer Railgun. Das ist ja jetzt alles nochmal gut gegangen. Es war aber auch unfair von uns, dir nicht zu sagen, was unsere Kräfte sind.“ „Stimmt.“, kam es nun von Betty selber. „Ich beschleunige kleinere Mengen Metalls zu Geschossen, ohne Kontrolle darüber zu haben. Tarik nimmt jede Art von Insekten wahr und kann ihre Position bestimmen. Gerade deshalb ist er Kammerjäger, er hasst nämlich diese Chitinpanzer. Patricia wiederum sendet durchgehend eine Art weißes Rauschen aus, das elektronische Geräte stört. Du hörst ja gerade wie dein Handy am Rad dreht.“ „Mein Mann verstärkt jegliche Form von Wirkstoffen so sehr, dass er sich durch extrem kleine Mengen vergiften kann. Ich dagegen darf keine Vögel sehen, denn sobald sie in meinen Sichtbereich geraten, fliegen sie mir ins Gesicht. Ich habe keine Idee wieso das so ist.“ „Tony hast du ja gerade erklärt bekommen und Lawrence kann nicht schlafen. Er stirbt. Klingt jetzt ein bisschen komisch, doch so ist das.“ Lawrence schüttelt leicht den Kopf. „Nicht so ganz, meine Vitalfunktionen fallen so sehr, dass man sie nicht mehr wahrnehmen kann. Mein Herz schlägt nur einmal alle zehn bis zwanzig Minuten, wenn ich schlafe. Atmung et cetera genauso.“ „Wie du siehst, bist du nicht der einzige mit nachteiligen Kräften. Du kontrollierst sie einfach, indem du nicht redest. Wir anderen haben es nicht so einfach. Wir müssen unsere Stresslevel mit Atemübungen reduzieren und Auslösern aus dem Weg gehen und ganz vermeiden. Ich kann kein Rückgeld entgegennehmen oder Schmuck tragen.“ „Ich liebe das Gezwitscher der Vögel im Frühling und kann sie nicht ansehen.“ Oliver schlug energisch die Kapuze zurück und bewegte sich unruhig auf dem Stuhl hin und her. Schuld stand in seinem Gesicht. „Es tut mir leid, dass ich so unvorsichtig war.“ Eines der Tischbeine sah nun aus wie ein aufgebogener Korkenzieher und das was auf dem Tisch bereitstand lag und rollte nun über den Boden. Er sank noch mehr in sich zusammen. Mit beruhigender Stimme erhob Tarik nun das Wort. „Es ist vollkommen in Ordnung. Mach dir mal keinen Stress. Wir sind ja gerade deswegen hier. Wir alle haben diese Macken, solange wir hier auf die Anderen Rücksicht nehmen, nehmen sie auch Rücksicht auf uns. Tony hat ja gerade erzählt, dass sein Vorgesetzter das nicht tut. Lass die Menschen da draußen reden, hier kannst du dich über sie beschweren, deine Erfahrungen teilen und ab nächster Woche haben wir hier auch einen Plastiktisch stehen.“ Derweil war Tony in die Ecke gegangen um sich einen neuen Stuhl zu holen, er setzte sich Lehne vor der Brust direkt vor den Jugendlichen. „Tarik hat recht. Stress dich nicht. Du willst gar nicht wissen, wie viele von den Stühlen ich hier drin schon zerlegt habe. Bevor ich Bettys Gruppe beigetreten bin konnte ich nur ebenerdig gehen und habe öfters die Achsen von Autos und Bussen gebrochen.